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Betriebsrätekonferenz in Pforzheim

IG Metall Bildung: Wissen - Können - Handeln

23.10.2012 "Arbeit zukunftssicher machen" - das fordern 550 IG Metall- Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter der baden-württembergischen Metall - und Elektroindustrie.

Arbeit zukunftssicher macher!

Arbeitszeiten und Leistungsbedingungen in den Betrieben müssen so gestaltet sein, dass sie den Bedürfnissen der Beschäftigten und dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Das forderten heute über 550 Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie. Sie waren zu einer Konferenz der IG Metall mit dem Titel "Arbeit - sicher und fair" nach Pforzheim gekommen. Dabei stand die Gestaltung von Arbeitszeiten und Leistungsbedingungen ebenso im Brennpunkt der Debatte wie die Entwicklungen am Arbeitsmarkt.

Falsche Arbeitsmarktpolitik - wachsende Ungleichheit

Der zweite Vorsitzende der IG Metall, Detlef Wetzel, kritisierte die immer weiter auseinandergehende Schere am Arbeitsmarkt und die wachsende Ungleichheit in Deutschland. Ursache sei eine Arbeitsmarktpolitik, die auf atypische und prekäre Beschäftigung setzt. Doch mit Leiharbeit, verschärften Zumutbarkeitsbedingungen, Minijobs und einem wachsenden Niedriglohnsektor werde Axt an das erfolgreiche deutsche Wettbewerbsmodell gelegt. Wetzel: "Denn in dem Maße, wie sich berufliche Qualifikationen durch Einkommen und Sicherheit nicht mehr auszahlt und der Anspruch auf möglichst hochqualifizierte Arbeitsplätze aufgegeben wird, schwächt sich ein wirklicher Erfolgsfaktor Deutschlands: qualifizierte Arbeitsplätze auf denen qualifizierte Menschen benötigt werden, die Produkte herstellen, die sonst keiner fertigen kann." Er forderte deshalb eine "neue Ordnung am Arbeitsmarkt" und einen breiten gesellschaftlichen Diskurs über den Wert von Arbeit. "Mindestlöhne, Regulierung der Leiharbeit und Werkverträge sind wichtig". Schließlich sei das "ob und wie" des Arbeitsverhältnisses für unsere Gesellschaft prägend. Es brauche ein "zukunftsfähiges arbeitsmarktpolitisches Leitbild von guter Arbeit und eine Qualifizierungsoffensive." Mit Billiger-Strategien habe Deutschland keine Chance im Innovationswettbewerb.

Umfrage: Leistungsdruck nimmt spürbar zu

Aber auch innerbetrieblich stehen die Arbeitnehmervertreter vor Herausforderungen: Nach einer gestern in Stuttgart vorgestellten und in über 630 Betrieben mit über 430.000 Beschäftigten durchgeführten Betriebsrätebefragung der IG Metall sagen 78 Prozent der Befragten, dass in ihrem Betrieb der Leistungsdruck spürbar zugenommen habe. Die Zunahme betrifft demnach sowohl Produktions- wie auch Verwaltungsbereiche.
Ausufernde Arbeitszeiten, Leistungsverdichtung und fehlendes Personal seien als Trend in den Betrieben auszumachen, so IG Metall-Bezirksleiter Jörg Hofmann auf der Konferenz. Das habe Folgen für die Gesundheit der Menschen. So führe der steigende Zeitdruck, das hohe Arbeitsvolumen und daraus resultierende fehlende Planbarkeit von Arbeitszeit zur Zunahme von psychischen und physischen Erkrankungen. Gleichzeitig würden die arbeitspolitischen Erfolge der 90er Jahre massiv ausgehöhlt. "Die Arbeitgeber greifen in den Betrieben bei jeder Gelegenheit Gruppenarbeit, Arbeitsvielfalt und Pausenregelungen an", kritisierte der Gewerkschafter und erkennt darin eine "Rolle Rückwärts" bei der Arbeitsgestaltung.

"Diese Zahlen und Trends können und werden wir nicht ignorieren", so Hofmann. Es sei eine Kernaufgabe von Betriebsräten und Schwerbehindertenvertretungen, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Hofmann betonte, es gebe laut Betriebsverfassungsgesetz, durch Tarifverträge und aktuelle Rechtsprechung vielfältige Mitbestimmungs- und Beteiligungsrechte für Arbeitnehmervertretungen. "Diese gilt es allerdings auch zu nutzen. Wir müssen Arbeit zukunftssicher machen. Das heißt: Arbeit muss sicher und fair sein."

Neugestaltung der Arbeitszeit- und Qualifizierungsmodelle als Weg

Hofmann forderte die Betriebsräte und Schwerbehindertenvertreter auf, die Neugestaltung von Arbeitszeitmodellen in den Focus der Arbeit zu rücken und entsprechende Vereinbarungen abzuschließen. Dabei gehe es darum, Schichtsysteme menschengerecht zu organisieren und an den neuesten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen auszurichten. Weiter dürfte sich die Flexibilität von Arbeitszeit nicht einseitig an den Interessen der Unternehmen ausrichten. Hofmann: "Zeitflexibilität ist ein Instrument, das den Beschäftigten zur Verfügung stehen sollte, um es nach seinen Bedürfnissen zu nutzen. Dann passt es auch zu den vielfach formulierten, jedoch noch immer viel zu wenig mit Leben erfüllten, Vorstellungen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf."

Ebenfalls Handlungsbedarf sieht Hofmann bei Qualifizierungsfragen. Die Industrie befinde sich in einem tiefgreifenden Wandlungsprozess. Neue Materialien, ressourceneffizientes Produzieren, neue Innovationen und Technologien erforderten auch einen veränderten und erhöhten Qualifizierungsbedarf der Beschäftigten. "Mit den bestehenden Regelungen haben wir zwar einen Rahmen abgesteckt. Aber auch hier gilt es die vorhandenen Instrumente zu nutzen und mit Leben zu füllen", so Hofmann. Ein Thema, mit dem sich die IG Metall morgen (24. Oktober 2012) auf einer Fachtagung mit dem Aus- und Weiterbildungspersonal in Leinfelden-Echterdingen intensiver beschäftigen wird.

Ergonomische Arbeitsplätze reichen nicht!

Prof. Dieter Spath, Institutsleiter beim Fraunhofer IAO, sieht ebenfalls großen Handlungsbedarf. Aus seiner Sicht reichen ergonomische Arbeitsplätze alleine nicht aus, um in Zukunft produktiv und alternsgerecht zu arbeiten. Dazu müssten die starren Produktionssysteme wandlungsfähig werden und seien die Prinzipien menschengerechter Arbeitsgestaltung in die Produktionssysteme zu integrieren. Dann könnten die vorhandenen Potenziale auch genutzt werden. Spath: "Um die notwendige Flexibilität zu erreichen und realisieren zu können, bedarf es entsprechender Technologien und angepasster Instrumente. Mit flexiblen Mitarbeitern alleine kommt man in diesem Feld nicht weit." Er forderte, neue Techniken und Technologien "proaktiv" zu nutzen, "um den Standortvorteil in Deutschland zu sichern", der durch qualifizierte und flexible Beschäftigte vorhanden sei. Das bedeute aber auch, unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen und Beanspruchungsgrenzen zu berücksichtigen. "Differenzierte Tätigkeitsanforderungen erfordern individualisierte Arbeitsgestaltung", so Spath. Zudem müssten alternsgerechte Arbeitssysteme ergonomisch und lernförderlich sein und so der "Leistungsspreizung im Alter gerecht werden."

Letzte Änderung: 23.10.2012


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