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IG Metall @ Hewlett-Packard

Informationen der IG Metall für Beschäftigte bei Hewlett-Packard



Goldene Zitrone für Smid & Co

Die goldene Zitrone

28.05.2013 Die goldene Zitrone ging in diesem Jahr an die Herren Smid, Eberhardt und Reichart. Eine solidarische Geste für die Beschäftigten bei HP und öffentliche Schelte für die Geschäftsführung.

Im März 2013 erhielt die Geschäftsleitung in Person von Volker Smid, Michael Eberhardt und Ernst Reichart die goldene Zitrone für schlechtes Managementverhalten. Jürgen Werner, Betriebsrat bei Daimler in Sindelfingen war eine treibende Kraft hinter der Verleihung. Wir haben ihn gefragt, was es mit der goldenen Zitrone und der Verleihung auf sich hat.

Jürgen Werner, Betriebsrat in der Forschung und Entwicklung bei Daimler

Zukunft@HP: Wofür haben Smid, Eberhardt und Reichart die goldene Zitrone bekommen?
Jürgen Werner: Es war und ist uns unerklärlich, dass hier ohne Not 850 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Als die ersten Informationen in den Nachrichten und im Internet auftauchten, dass HP den Standort in Rüsselsheim schließen will, dachte ich: das darf doch wohl nicht wahr sein! Das sind zum großen Teil IT-Kollegen, die lange für Opel gearbeitet hatten, dann zu EDS ausgelagert und erst 2008 von HP übernommen wurden. Viele sind 25-30 Jahre bei Opel/EDS/HP und daher inzwischen über 50 Jahre alt. Viele dieser Mitarbeiter sind in standortübergreifende Projekte eingebunden und hätten noch für längere Zeit Geschäft. Die kann man doch nicht so einfach entlassen. Insbesondere, wenn man 2008 einen Standort kauft und ihn 2013 schon wieder schließen will. Da fehlt doch jede langfristige Strategie!
Also informierte ich unsere IG Metall Vertrauenskörperleitung, die eine Solidaradresse formulierte und an die Kolleginnen und Kollegen von HP schickte. Nach der überaus positiven Reaktion darauf, die uns sehr ermutigte, kam uns die Idee mit der goldenen Zitrone.

Zukunft@HP: Was ist die goldene Zitrone eigentlich und wer vergibt sie?
Jürgen Werner: Die goldene Zitrone ist eigentlich daimlerintern entstanden. Wir haben sie als Betriebsratsmitglieder und Gewerkschaftler für schlechte Managementleistungen vergeben. Wir mussten dann aber feststellen, dass es in anderen Firmen viel schweres Fehlverhalten gibt. So etwas, wie wir es jetzt bei HP erleben müssen, gab und gibt es bei Daimler nicht. Wir bei Daimler sind sehr froh und stolz darauf, dass wir ohne betriebsbedingte Kündigungen durch die Krise 2008/2009 gekommen sind. Unsere gewachsene Firmenkultur und der hohe IG-Metall-Organisationsgrad sorgen dafür, dass in einer solchen Situation unser Management mit uns über Alternativkonzepte verhandelt. Wir können nicht verstehen, warum bei HP jetzt so viele Leute entlassen werden sollen - in einer vergleichsweise viel günstigeren wirtschaftlichen Situation. Das führt mit Recht zu heftigen Protesten quer durch alle politischen Lager!
Einmal ging die goldene Zitrone an Betriebsratsmitglieder bei der Firma Breuninger wegen besonders schlechter Betriebsratsarbeit. Der damalige Vorsitzende des Betriebsrates war gleichzeitig Pressesprecher des Unternehmens, ein geradezu paradoxer Interessenskonflikt! Damals hatten wir die Aktion mit Porsche-Betriebsräten zusammen gemacht. Früher, als Dräxlmaier 2006 auf der Hulb in Böblingen widerrechtlich einen Standort platt gemacht hat, hätten wir die goldene Zitrone ein weiteres Mal extern vergeben, aber da gab es die Zitrone noch nicht.
Die goldene Zitrone ist also eine Auszeichnung, die zu bekommen eine Schande ist. Vergeben wird sie von einer breiten Basis von Betriebsräten von Porsche und Daimler. In diesem Fall - also bei HP - kam die Verleihung auf Initiative von Betriebsräten der Forschung und Entwicklung zu Stande. Auf der Delegiertenversammlung haben wir so viele Unterschriften gesammelt, dass die goldene Zitrone auf einer breiten Basis steht.

Zukunft@HP: Mittlerweile hat ja auch Prof. Harms, Aufsichtsratsvorsitzender von HP in Deutschland Post von dir bekommen ...
Jürgen Werner: Ja, ich habe ihm einen offenen Brief geschickt. Der HP-Aufsichtsrat hat gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter die Werksschließung abgenickt und ich begann, im Internet über Prof. Harms zu recherchieren. Mir fielen Widersprüche zwischen seinen Äußerungen in Interviews und der konkreten Realität der geplanten Werksschließung auf. Deshalb formulierte ich einen offenen Brief an ihn, den ich ihm zuschickte. Er hat freundlich geantwortet und mir ein persönliches Gespräch angeboten. Ich möchte ihm die Arbeitnehmersicht, aber auch die Kundensicht darstellen. Daimler ist Kunde von HP, ich bin auch Kunde von HP - jeweils über Compaq. Ich werde auf die Daimler-Sozialcharta verweisen, die Zulieferer von uns verpflichtet, Gesetze einzuhalten. Dazu zähle ich auch das Betriebsverfassungsgesetz.

Die goldene Zitrone für Volker Smid

Zukunft@HP: Haben Smid und Co auch reagiert?
Jürgen Werner: Die Herren Smid, Eberhardt und Reichart haben sich bisher nicht gerührt. Ich weiß auch nicht, ob sie Ihre Urkunde bei sich aufgehängt haben. Ich habe starke Zweifel.

Zukunft@HP: Gab es Reaktionen aus der Presse oder der Politik?
Jürgen Werner: Über die goldene Zitrone hat bisher nur die Computerwoche berichtet. Im Blog der Wirtschaftswoche hinterließ ich einen kritischen Kommentar zu einem Harms-Interview, der frei geschaltet wurde. Der Landrat von Groß Gerau und der Oberbürgermeister von Rüsselheim haben sich nach Zusendung des Harms-Briefes zurückgemeldet. Sie teilen meine Ansicht und machen sich natürlich große Sorgen um die Region. In der Sindelfinger Zeitung und in der Böblinger Kreiszeitung wurde immerhin über die Abmahnung der Geschäftsleitung durch die Betriebsräte berichtet.

Zukunft@HP: Warum interessiert euch bei Daimler, was bei HP passiert?
Jürgen Werner: Solidarität. Der Fall von HP ist hier durch die Presse gegangen. Alle hier wissen das und die Beschäftigten musste ich gar nicht groß fragen, ob sie unterschreiben. Die haben mir das Blatt aus der Hand genommen. Die Kolleginnen und Kollegen wissen auch noch, wie wir 2008/2009 durch die Krise gekommen sind. Das ging nur gemeinsam, mit dem Betriebsrat und der IG Metall.
Ich hätte damals, vor 24 Jahren, theoretisch auch bei Opel anfangen können, dann wäre ich den Weg über EDS zu HP wahrscheinlich auch mitgegangen und stünde jetzt vor dem gleichen Problem. Generell gilt, dass man ohne Solidarität nichts erreichen kann. Dafür stehen wir als Betriebsräte, Vertrauensleute und IG Metall bei Daimler.
Gemeinsam sagen wir: Bei HP wird mit der geplanten Standortschließung ohne Not eine rote Linie überschritten. Das empfinden viele in dieser Größenordnung als einen Tabubruch. Das dürfen wir nicht zulassen!
Das hat auch eine gesellschaftliche Komponente. Da werden in den Medien Hartz-IV-Empfänger schon mal als Sozialschmarotzer bezeichnet, weil sie von Steuergeldern leben. Aber auf der anderen Seite will HP die Belegschaft eines ganzen Standortes auf Kosten der Steuerzahler entsorgen, das heißt ich soll mit meinen Steuern die Gewinnmaximierung von HP finanzieren. Das ist nicht ok! Dafür zahle ich meine Steuern nicht!

Anhänge:

Brief an Michael Eberhardt

Brief an Michael Eberhardt

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Brief an Volker Smid

Brief an Volker Smid

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Brief an Ernst Reichart

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Unterzeichner /-innen der goldenen Zitrone

Unterzeichner /-innen der goldenen Zitrone

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Goldene Zitrone für Eberhardt

Goldene Zitrone für Eberhardt

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Goldene Zitrone für Reichart

Goldene Zitrone für Reichart

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Goldene Zitrone für Smid

Goldene Zitrone für Smid

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Letzte Änderung: 28.05.2013


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