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IG Metall @ Hewlett-Packard

Informationen der IG Metall für Beschäftigte bei Hewlett-Packard



Ist Rüsselsheim überall?

Juan-Carlos Rio-Antas, ITK Branchenkoordinator der IG Metall

23.09.2013 Wie geht es weiter mit den Beschäftigten bei HP? Wohin steuert die ITK? Juan-Carlos Rio Antas beim Vorstand der IG Metall für die ITK-Branchenkoordination zuständig im Gespräch.

Als ITK-Koordinator der IG Metall hast du die gesamte Branche im Blick. Ist das Verhalten von HP üblich für die Branche?

Juan-Carlos Rio-Antas: Die gesamte Branche befindet sich im Umbruch. In viele Unternehmen wird Beschäftigung abgebaut. Aber das Vorgehen von HP ist schon ungewöhnlich: einen Standort radikal zu schließen, obwohl noch Arbeit da ist und es so rücksichtslos zu tun, ist nicht üblich. Das Vorgehen den Standort zu schließen obwohl letzten Endes gar nicht alle Stellen wegfallen war brachial und rein juristisch kalkuliert. Es ging darum eine möglichst günstige Konstellation zu haben um sich durchzusetzen, ohne Dialog mit den Arbeitnehmervertretern über alternative Lösungen.

Juan-Carlos Rio-Antas, ITK Branchenkoordinator der IG Metall

Hängt das auch mit dem zielzahlenorientierten Management in der ITK-Branche zusammen, vielleicht auch mit amerikanischer Unternehmenskultur? Welche Rolle spielte die deutsche Geschäftsleitung?

Juan-Carlos Rio-Antas: Das hängt sicherlich mit der kennzahlenorientierten Unternehmensführung zusammen. Bei HP setzt sich leider gerade ein unkooperativer Führungsstil durch, der sehr genau die Vorgaben vom US-amerikanischen TOP-Management exekutiert und wenig Rücksicht auf soziale Dimensionen nimmt. Wie gesagt, es ist ein sehr ungewöhnlicher Vorgang. Es gibt hier noch mehr US-amerikanische IT-Firmen, es ist deshalb sicher falsch dieses Vorgehen nur aus der Führungskultur abzuleiten.
Und ich will deutlich auf die Mitverantwortung der deutschen Geschäftsleitung hinweisen. Sie haben die Planung entwickelt und umgesetzt. Die Vorgaben aus den USA waren nicht, einen Standort ohne Rücksicht auf Verluste zu schließen und das so zu tun, dass keine Sozialauswahl notwendig ist. Für diese Schließung trägt alleine das deutsche Management die Verantwortung. Auch dafür, dass es keinen Dialog mit den Beschäftigten und dem Betriebsrat über andere, zukunftsorientiertere, sozialere Maßnahmen gab, tragen sie hier die Verantwortung. Deutlicher kann man sich von einem kooperativen Führungsstil nicht verabschieden.

Gab es den kooperativen Führungsstil in der ITK-Branche?

Juan-Carlos Rio-Antas: Ja, den gab es früher. Es ist gar nicht so lange her, da stand die ITK-Industrie für gute Entgelte, gute Sozialleistungen. IT-Unternehmen galten als moderne und soziale Arbeitgeber. Kollegiale Umgangsformen, flache Hierarchien, das hat die ITK als erste eingeführt. HP hat jetzt aber deutlich gezeigt, dass das alles nur noch Nostalgie ist. Wir müssen uns darauf einstellen, dass HP die Kooperation mit den Beschäftigten abgetrotzt werden muss. Unser Rezept dazu ist, wie in den anderen Branchen auch, eine starke Gewerkschaft.

Du warst für die IG Metall in der Verhandlungskommission zum Sozialplan. Was war dein wichtigstes Ziel?

Juan-Carlos Rio-Antas: Ich wollte wie alle Kolleginnen und Kollegen erreichen, dass möglichst wenige Arbeitsplätze abgebaut werden und die betroffenen Beschäftigten eine Perspektive bekommen.

Hast du dein Ziel erreicht?

Juan-Carlos Rio-Antas: Nein. Wir hatten die besseren Argumente, wir haben viele Hinweise und Ideen eingebracht, uns für Alternativen eingesetzt, aber um eine bessere Lösung ging es nie in den Verhandlungen. In solchen Verhandlungen zählt nicht die gute und geschickte Verhandlungsführung. Die macht es besser, damit kann man Boden gewinnen. Aber was wirklich zählt ist Verhandlungsmacht. Das wurde in den Verhandlungen auch deutlich. Alle in der Verhandlungskommission haben sehr für die Anliegen der Beschäftigten gekämpft. Aber alle haben auch erleben müssen, wie wenig man am grünen Tisch ohne echte Gegenmacht erreichen kann.

Was muss geschehen, damit HP verlässlich und verantwortungsvoll mit seinen Beschäftigten umgeht?

Juan-Carlos Rio-Antas: Ganz wichtig ist es, dass die Belegschaft zusammenhält, sich nicht gegeneinander ausspielen lässt und der Geschäftsführung signalisiert, dass sie einen solchen Umgang nicht akzeptiert. Dass sie einen kooperativen Führungsstil erwartet und kein rücksichtsloses exekutieren von teilweise ja auch fragwürdigen Entscheidungen durch das deutsche Management.
Es ist ja nicht so, dass die Zukunft bei HP nach dem Stellenabbau wieder rosig ist und alle Probleme gelöst sind. Auch HP muss sich auf die Umbrüche in der Branche einstellen. Für die kommenden Veränderungen muss die Belegschaft unübersehbar einfordern, dass die Dinge mit ihr und ihren Vertreterinnen und Vertretern besprochen werden - und nicht nur an ihr vollzogen wird.

Wie wirkt sich die Standortschließung in Rüsselsheim deiner Einschätzung nach in diesem Prozess aus?

Juan-Carlos Rio-Antas: Ich glaube, dass viele bestürzt sind nach der Schließung des drittgrößten Standortes und sich fragen, was ist denn eigentlich noch sicher? Andere werden sich fragen, ob man so etwas überhaupt verhindern kann. Obwohl ich das alles verstehen kann, will ich trotzdem Mut machen: Wenn Arbeitnehmer in der Vergangenheit nach verlorenen Auseinandersetzungen aufgegeben hätten, gäbe es heute keine Tarifverträge und Sozialgesetzgebung. Als Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen ist genau das unsere Aufgabe: den Leuten Mut machen, Mut für die kommenden Auseinandersetzungen, denn der Umbruch ist nicht erledigt! Unsere Einschätzung ist, dass es gerade erst los geht mit den Umwälzungen in der Branche und dann sicherlich auch bei HP. Wenige Beispiele, wie eklatant das werden kann: Der Hardwaremarkt ist im Umbruch, PC-IT- Kapazitäten werden zurück zu den OEMs geholt, usw. Und dass es auch große Player treffen kann zeigen Nokia, Blackberry, Microsoft. Wenn die Menschen nicht deutlich machen, dass sie mitreden wollen, dann wird der Wandel exekutiert. Deshalb brauchen Beschäftigte Handlungs- und Verhandlungsmacht. Wie wir dahin kommen, darüber möchte ich gerne mit den Betriebsräten und Gewerkschafterinnen bei HP in eine Diskussion treten. Ich denke, das kann der Anfang sein, um gemeinsam HP zur Kooperativität zurück zu bringen oder zu zwingen.

Letzte Änderung: 24.02.2014


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