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IG Metall @ Hewlett-Packard

Informationen der IG Metall für Beschäftigte bei Hewlett-Packard



Worauf gründet das Verhalten von HP?

Volker Stichter, Betriebsratsvorsitzender bei HP in Rüsselsheim

07.10.2013 Volker Stichter, Betriebsratsvorsitzender bei HP in Rüsselsheim, erläutert das Handeln der Geschäftsleitung und spart nicht mit Kritik. HPs Umgang mit Betriebsräten sei nicht zukunftsfähig.

Hättet ihr die Schließung verhindern können?
Volker Stichter: Nein, wir hätten es nicht verhindern können. Die einzige, die es hätte verhindern können, wäre die Geschäftsleitung gewesen. Wenn sie von ihrem Entschluss zurückgetreten wäre.

Was passiert mit den Kolleginnen und Kollegen aus Rüsselheim?
Volker Stichter: Unterschiedlich. Circa 200 sind zu Opel gegangen, 400 bleiben HP und werden in andere Standorte versetzt, knapp 400 gehen in die Transfer- und Qualifizierungsgesellschaft (TQG) oder nutzen eine von HP angebotene Regelung zum Übergang in den Vorruhestand. 100 haben bereits vor Abschluss des Sozialplans einen freiwilligen Aufhebungsvertrag mit Abfindung akzeptiert. Einige von denen gehen in den Vorruhestand, andere haben neue Jobs angenommen.
Die meisten der 400, die in die TQG gehen werden wohl auch neue Stellen finden. Der Arbeitsmarkt in der ITK ist ganz gut im Rhein-Main-Gebiet, besonders für diejenigen mit einer technischen Ausrichtung. In den kaufmännischen Bereichen ist es schwieriger. Trotzdem werden fast alle, gerade die Älteren, Rückschritte im Entgelt hinnehmen müssen. Viele werden weiter fahren müssen. Aber insgesamt ist die Prognose eher positiv.

Wie bewertest du das Verhalten von HP?
Volker Stichter: Ich finde es schäbig und skrupellos. Es ist auch geschäftsschädigend, aber vor allem ist es schäbig und skrupellos. Mit der Betriebsschließung umgeht man die Sozialauswahl. Man nimmt bewusst in Kauf, dass Sozialschwache, Alleinerziehende, Ältere und generell Personen mit Belastungen ihren Arbeitsplatz verlieren und es schwer haben einen neuen zu finden. 400 aus der Belegschaft hat man angeboten, sie zu übernehmen. HP will sich dann die Besten und Unbelastetsten raussuchen.
Da wurde gesagt: "Ich will Personal abbauen. Aber ich will die abbauen, die ich nicht mehr will." Unabhängig von dem Sozialstatus sollte es geschehen. Und das halte ich für skrupellos und menschenverachtend.

Was empfiehlst du den bei HP verbliebenen Kollegen?
Volker Stichter: Meine Empfehlung ist, dass sie im Bewerbungsmodus bleiben und sich so schnell wie möglich etwas Neues suchen. Weil HP ihnen keine Perspektive bieten kann. Ich habe allen davon abgeraten in ein globales Unternehmen zu gehen, dessen Firmenzentrale sich in den USA befindet. IT-Dienstleistungen werden weiter in Niedriglohnländer ausgelagert. Da ist man bei einem nicht global agierenden Unternehmen besser aufgehoben.
HP geht die strukturellen Änderungen in der Branche nicht planvoll an. Alle paar Jahre streicht man Stellen und hofft darauf effizienter zu werden. Aber wie man diese gesteigerte Effizienz erreichen will ist völlig unklar. Die Unsicherheit bei HP bleibt.
Eine Möglichkeit, die strukturellen Probleme anzugehen, wäre mit den Arbeitnehmern zusammen zu arbeiten. Man könnte sich an einen Tisch setzen und zum Wohle der Beschäftigten und der Firma zusammen arbeiten. Aber das will man bei HP nicht. Man will mit den Betriebsräten und mit Gewerkschaften nicht zusammen arbeiten. Andere Unternehmen machen das.

Und was rätst du denen, die trotz alle dem bei HP bleiben? Was sollten sie tun um zu verhindern, dass ihnen solch eine Behandlung noch Mal wiederfährt?
Volker Stichter: Eigentlich müsste die Erkenntnis beim Unternehmen sein, dass man besser zusammen arbeitet um die Umbrüche in der IT-Branche besser zu verarbeiten. Wenn man sich zusammensetzt und unterschiedliche Ansichten hat, streitet man sich auch mal - auch wenn man das gleiche Ziel hat. Das ist ganz normal. Das müsste man bei HP hinkriegen, damit es bei HP besser wird. Mit einem höheren gewerkschaftlichen Organisationsgrad, mit einer stärkeren gewerkschaftlichen Kultur im Unternehmen ließe sich mehr Bereitschaft zur Zusammenarbeit erwirken. Aber das Unternehmen muss die Erkenntnis auch haben.

Letzte Änderung: 07.10.2013


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