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IG Metall @ Hewlett-Packard

Informationen der IG Metall für Beschäftigte bei Hewlett-Packard



Ausbildung in der ITK Branche?!

Cynthia Wender, Wirtschaftsinformatikerin bei HP

06.06.2014 Cool und stressig! Die ITK-Branche braucht dringend junge Fachkräfte. Aber sie macht es vielen Jugendlichen nicht leicht.

Die Anzahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in IT-Berufen stagniert seit Jahren, dual Studierende in Ingenieur-, IT- und Technik Bereichen fühlen sich häufig ausgepowert, und fast die Hälfte der Studienanfänger im Fach Informatik bricht das Studium ab. Der Spaß an der Technik, speziell daran, neue Software zu entwickeln, Netzwerkprobleme zu lösen und neue Formen der Kommunikation auszuprobieren, hält selbst bei vielen "digital natives" nicht lange vor. Die Branche muss für Jugendliche attraktiver werden. Das meint auch die IG Metall - und dafür setzt sie sich ein.

Stress mit dem Ausbilder, hohes Arbeitspensum, Hin- und Herpendeln zwischen Betrieb, Berufsschule und/oder Hochschule, wenig Zeit für das Nacharbeiten oder Selbststudium ... das prägt den Alltag vieler Jugendlicher, ob Auszubildende oder dual Studierende, in ITK-Berufen. Hinzu kommt oft noch die Unsicherheit, nicht übernommen zu werden. Trotzdem sind die meisten jungen ITKler froh über ihren Berufsstart in der Hightech-Branche. Die digitale Welt erfassen, nie dagewesene Kommunikationsformen erproben, innovative Geschäftsfelder aufbauen, neuartige Software entwickeln und Internetprobleme lösen ist cool.
"Eigentlich gibt es keine großen Probleme bei uns", sagt Moritz Rupp, dual Studierender im Fach Angewandte Informatik und Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) bei HP in Bad Homburg. "Die beruflichen Perspektiven sind gut, die Ausbildungs- und Praxisphasen klar geregelt. Bei den Auszubildenden gibt der Lehrplan und bei den dual Studierenden die Hochschule vor, was gemacht werden muss. Daran muss sich der Betrieb halten." Auch die Grundvergütung während der Ausbildung beziehungsweise während des dualen Studiums stimme. Es komme zudem kaum vor, dass sich ein Jugendlicher über die Qualität seines Ausbilders oder Betreuers beschwert. Und wenn - etwa, weil sich jemand von seinem Ausbilder oder Praxisbetreuer falsch beurteil fühlt - gebe es ein Verfahren, in das die JAV moderierend einbezogen werden kann.
Was Moritz Rupp an HP besonders reizt: "Bei uns haben Auszubildende und dual Studierende viele Möglichkeiten, eigene Projekte anzuregen und relativ selbstständig umzusetzen." Seine JAV-Kollegin Cynthia Wender bestätigt dies: "HP legt großen Wert auf selbstständiges Arbeiten. Wir haben viele Freiheiten, Praktika nach unseren Wünschen zu machen oder auch öfter im Home Office zu arbeiten. Auch die Beziehung zwischen Auszubildenden und Ausbildern beziehungsweise Praxisbetreuern ist angenehm unverkrampft."
Was die bei HP ausgebildete Wirtschaftsinformatikerin und SAP-Beraterin im Außendienst allerdings stört, ist der Klimawandel im Unternehmen, den der eingeleitete Stellenabbau und speziell die Schließung des HP-Standorts in Rüsselsheim ausgelöst haben. "Viele von uns Jugendlichen haben dadurch erfahren, dass kein Job langfristig sicher ist, auch wenn man uns Berufseinsteigern bisher noch gute Perspektiven in Aussicht stellt. Das Image von HP ist bei jungen Leuten angekratzt. Viele sind durch das Sparprogramm des Unternehmens und die Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verunsichert", so Cynthia Wender.
Das ist mit ein Grund, warum sich beide in der JAV und in der IG Metall engagieren. "Wir wollen, dass HP auch weiterhin eine hohe Qualität der Ausbildung bietet. Und wir wollen Jugendliche dafür sensibilisieren, dass sie sich nicht alles gefallen lassen müssen. Sie sollen wissen, dass sie nicht nur allein auf sich gestellt, sondern vor allem auch mit anderen zusammen etwas verändern und voranbringen können", sagt Moritz Rupp.

Moritz Rupp, Student: HP DualStudy Applied Computer Science

AUSBILDUNG AUF DEM PRÜFSTAND

Die Qualität der Ausbildung in der ITK-Branche sichern und ausbauen: Dafür engagieren sich die IG Metall und ihre Mitglieder in den Unternehmen sowie an den Hochschulen. Damit reagiert die Gewerkschaft auf Tendenzen in der ITK-Branche - und nicht nur dort - einer fortschreitenden Akademisierung der Ausbildung. So etwa bildet HP an vielen Standorten kaum noch bis gar nicht mehr in den 1998 neu geordneten beziehungsweise eingeführten IT-Berufen aus. Stattdessen schließt der Computerkonzern immer mehr Ausbildungsverhältnisse mit dual Studierenden ab.
Interessant ist jedoch, dass Anwenderunternehmen wie Bosch oder Daimler gerade dabei sind, duale IT-Ausbildungsgänge verstärkt einzuführen. "Ich zähle hier zu dem ersten Ausbildungsjahrgang für IT-Systemelektroniker", berichtet Tobias Holfoth, Auszubildender bei Daimler in Stuttgart-Untertürkheim. "Für mich ist diese Ausbildung total spannend und interessant. Zwar kommt die eigentliche IT-Tätigkeit im ersten Jahr noch zu kurz. Deshalb freue ich mich schon auf´s Programmieren im zweiten und dritten Lehrjahr." Aber alles in allem ist er sehr zufrieden mit der Ausbildung. "Die Ausbilder kümmern sich sehr intensiv um uns, Theorie und Praxis sind gut miteinander abgestimmt und die beruflichen Aussichten sind sehr gut."
Diese Verschiebungen bei der IT-Ausbildung weisen darauf hin, dass sich viele Unternehmen infolge der fortschreitenden Digitalisierung von Arbeit und Gesellschaft sowie durch Cloud Computing, Big Data und Industrie 4.0 strategisch neu ausrichten. "Es ist jedoch zu früh, um daraus einen klaren Ausbildungstrend bei den IT-Berufen etwa in Richtung einer Akademisierung abzuleiten", sagt Andrea Baukrowitz, Wissenschaftlerin und Projektmitarbeiterin Globe-Pro am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München.
Einer der Gründe für das - gemessen an dem Beschäftigungswachstum und den Prognosen des Fachkräftebedarfs in der Branche - unzureichende Engagement der ITK-Unternehmen in der dualen Ausbildung könnte darin liegen, dass die Ausbildungspläne den heutigen technologischen Standards nicht mehr voll entsprechen. "Wir bemühen uns bereits seit längerer Zeit darum, die IT-Ausbildungsberufe neu zu regeln", sagt Jörg Ferrando, Experte für berufliche Bildung beim Vorstand der IG Metall. "Zwar wurde die gültige Verordnung 1997 technikoffen formuliert, aber nach 17 Jahren hat sich zum Beispiel mit der Glasfaser, LTE usw. so Vieles geändert, dass eine Überarbeitung nötig wird." Einige Arbeitgeber wehrten sich jedoch zurzeit vehement gegen jede Art von Neuregulierung, weil sie ihre Einzellösungen bevorzögen. "Für uns ist aber wichtig, auch Nicht-Studierenden den Zugang zu IT-Berufen offen zu halten und ihnen mit Hilfe eines umfassenden Weiterbildungssystems sichere berufliche Perspektiven zu bieten", so Ferrando.
Auch für dual Studierende in der ITK-Branche hat der in vielen Unternehmen stattfindende Ausbau der akademischen Ausbildung nicht nur positive Effekte, wie die vielfach in Aussicht gestellten guten beruflichen Einstiegschancen. Es gibt zumindest viele Fragen und Unsicherheiten.
Diese betreffen vor allem die beruflichen Zukunftschancen, die mit dem Bachelor-Abschluss verbunden sind: Wie werden dual Studierende in der aktuell von enormen Umbrüchen heimgesuchten ITK-Branche künftig eingesetzt? In welchem Maße werden durch den Bachelor erworbene akademische Kompetenzen überhaupt benötigt oder sind dual Studierende die neuen Facharbeiterinnen und Facharbeiter? Welches Entgelt und welche Aufstiegschancen können sie erwarten? Was passiert und an wen kann man sich wenden, wenn man vom Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wird?

Cynthia Wender, Wirtschaftsinformatikerin bei HP

VIELES IST NICHT GEREGELT

Viele dieser Fragen und Unsicherheiten hängen damit zusammen, dass das duale Studium unterschiedlich organisiert ist und sich dementsprechend auch der Status der dual Studierenden in den Ausbildungsbetrieben unterscheidet.
Studierende, die ein ausbildungsintegrierendes Studium (auch Studium im Praxisverbund) absolvieren, haben oft einen Ausbildungsvertrag mit einem Unternehmen, der sich eng an den Vorgaben des Berufsbildungsgesetzes beziehungsweise der Handwerksordnung anlehnt. Für sie gelten in der Regel bis zum Abschluss der dualen Ausbildung alle gesetzlichen, tariflichen und betrieblichen Regelungen des Unternehmens, nach denen auch die Auszubildenden behandelt werden.
Bei dual Studierenden, die ein praxisintegrierendes duales Studium durchlaufen, ist der vertragliche Gestaltungsspielraum für die Betriebe größer. Sie sind Beschäftigte im Sinne des Betriebsverfassungsgesetzes, fallen aber nicht automatisch unter die Regelungen für Auszubildende. Dies hat oft negative Folgen. Bei "klassischen" Ausbildungsverhältnissen und ausbildungsintegriertem dualem Studium ist die Übernahme vielfach tariflich gesichert. Zudem bekommen Auszubildende per Gesetz unter anderem die Kosten für Lehr- und Lernmittel sowie Reisekosten zum Betrieb und zur Berufs- beziehungsweise Hochschule erstattet. Dies alles ist bei dual Studierenden in praxisintegrierenden Studiengängen vielfach ungeregelt oder wird unterschiedlich gehandhabt.
"Dual Studierende sind daher in vielen Unternehmen der ITK-Branche keineswegs privilegierte Auszubildende, wie es manchmal erscheint", sagt Rico Irmischer, Fachsekretär für Studierendenarbeit bei der IG Metall Verwaltungsstelle Regensburg. Das betreffe nicht nur Entgeltfragen, sondern auch die Leistungsanforderungen. So sei der von ihnen abgeforderte Workload vielfach wesentlich höher als der, der von Auszubildenden - bei gleicher Tätigkeit - erwartet werde. "Auch der organisatorische Aufwand, den dual Studierende oft betreiben müssen, um zwischen Betrieb, Hochschule und womöglich noch Berufsschule hin- und herzupendeln, ist enorm. Er kostet nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld." Es komme auch vor, dass dual Studierende, die nicht von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen worden seien, bei Zeitarbeitsfirmen landeten und dann zu schlechteren Bedingungen wieder an diesen entliehen würden.

STUDIUM UND BETRIEB BESSER ZUSAMMENBRINGEN

Umfragen der IG Metall unter dual Studierenden in Baden-Württemberg und im Bereich Hessen ergaben, dass für sie eine Arbeitsbelastung von über 60 Wochenstunden nicht selten ist. Insbesondere, wenn es auf die Prüfungen zugeht, haben viele dual Studierende kaum angemessen Zeit, um sich vorzubereiten. Probleme gibt es gelegentlich auch, weil die Praxisphasen im Betrieb nicht optimal auf die Anforderungen der Hochschule abgestellt sind.
"Hochschulen und Unternehmen müssen bei der Ausbildung noch viel enger zusammenarbeiten", sagt Alexandra Klein, Vorsitzende des Allgemeinen Studentenausschusses (AStA) an der Dualen Hochschule Baden Württemberg (DHBW) in Stuttgart und zugleich dual Studierende bei der örtlichen IG Metall. "Die Abbrecherquote ist bei den dualen Studiengängen in den Fächern Technik und Informatik immer noch zu hoch." Gerade vor dem Hintergrund, dass das duale Studium boomt und auch an der DHBW immer mehr Studienplätze geschaffen werden, steht für Alexandra Klein die Qualitätssicherung von Studium und Ausbildung im Mittelpunkt ihres Engagements. "Die Hochschule bietet inzwischen Einstiegskurse in Mathe und Technik an, damit Studierende bestehende Schwächen in diesen Fächern frühzeitig ausgleichen können. Wir Studierendenvertreter kümmern uns auch um regelmäßige Treffen mit den dualen Partnern, damit sich Studierende und betriebliche Praktiker leichter vernetzen können. In den Mitbestimmungsgremien der Hochschule sorgen wir ferner dafür, dass Probleme mit der Infrastruktur auf den Tisch kommen, damit ausreichend Lehrmittel, Parkplätze und bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung gestellt werden."

Revolution Bildung - auch in der ITK-Branche

IG METALL BIETET PRAKTISCHE HILFE

Auch Simon Goldenstein, Fachsekretär für Studierendenarbeit der IG Metall in Mannheim und Baden-Württemberg, findet es wichtig, dual Studierende dabei zu unterstützen, den Bogen zwischen betrieblicher Praxis und akademischem Studium besser zu spannen. "Die Leute kommen zu uns, weil wir Ihnen praktische Angebote machen: Wir beraten sie, wenn sie Probleme mit dem Ausbilder, den Fahrt- und Lehrmittelkostenkosten, dem Urlaub beziehungsweise freien Studientagen oder mit ihrem Ausbildungsvertrag haben. Wir bieten ihnen Seminare und Workshops zum wissenschaftlichen Arbeiten, zu Rhetorik, aber auch zu Einstiegsgehältern in ihrem gewünschten Beruf an." Im März hatte der Metaller den Besuch von dual studierenden ITKlern zur CeBit organisiert. Auch sorgt er dafür, dass Fach-Austellungen gemeinsam besucht
werden können.
Dies alles kommt bei den dual Studierenden gut an. Viele von ihnen haben dies durch ihre Mitgliedschaft in der IG Metall gezeigt. "Wir legen ihnen immer wieder nahe, bei Problemen zusammenzustehen, um Dinge im Betrieb und an der Hochschule gemeinsam anzuschieben", so Goldenstein. "Und wir freuen uns natürlich, wenn sie dann die Erfahrung machen: Da geht doch was! Aktuell orientieren wir auf den bundesweiten Aktionstag der IG Metall ,Revolution Bildung" im September, um gute Ausbildungsbedingungen zu sichern."
Seit mittlerweile zehn Jahren kümmert sich die IG Metall bundesweit verstärkt um Studierende. Sie informiert zu aktuellen Fragen unter www.hochschulinformationsbuero.de und ist vor Ort an über 50 Standorten mit einem umfangreichen Beratungs- und Informationsangebot vertreten. Die Themen reichen von Arbeitsvertrag, Bafög, Bewerbungstraining, Einstiegsgehälter bis zu Problemen mit dem Chef und wissenschaftlichem Arbeiten. Die IG Metall organisiert vor Ort Betriebsexkursionen, lädt zu interessanten Fachtagungen ein und hilft beim Kontakt zur Hans-Böckler-Stiftung, um ein Stipendium zu beantragen.
"Wir bieten Studierenden ein breites Netzwerk und kompetente Ansprechpartner, um den Sprung vom Studium in den Beruf zu meistern", sagt Stefanie Geyer, Referentin für Studierendenarbeit beim IG Metall-Vorstand. "Und wenn es um Probleme im Betrieb geht, knüpfen wir den Kontakt zur örtlichen IG Metall-Verwaltungsstelle und den Betriebsräten sowie der Jugend- und Auszubildendenvertretung in dem jeweiligen Unternehmen. Wir wünschen uns sehr, dass viele Jugendliche auch aus der ITK-Branche diese Angebote nutzen und die Relevanz gewerkschaftlicher Arbeit für ihre Situation erkennen - und dann auch bessere Ausbildungsbedingungen in den Betrieben mit
anschieben helfen."

Letzte Änderung: 06.06.2014


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